KI-generiert
Kurz gefasst
Ein Raspberry Pi 5 reicht für MAME und ältere Konsolen, doch für Dreamcast, Naomi und N64 spielt ein Mini-PC deutlich souveräner.
Inhalt
Bevor die erste Platte MDF unter der Stichsäge liegt, steht bei fast jedem Bau eine Frage im Raum, die den Rest des Projekts prägt: Was rechnet eigentlich hinter dem Monitor? Davon hängt ab, welche Systeme später wirklich laufen, wie viel Wärme im geschlossenen Gehäuse entsteht und ob du dir über die Stromversorgung Gedanken machen musst. Ältere Bauanleitungen greifen an dieser Stelle fast reflexartig zum Raspberry Pi. Das war jahrelang eine gute Wahl, gilt 2026 aber nur noch mit einem dicken Sternchen.
Was der Arcade-Rechner leisten muss
„Arcade-Automat“ heißt nicht automatisch „nur MAME“. Die meisten Bauer wollen am Ende mehr: die klassischen Automatenspiele, dazu die Heimkonsolen ihrer Jugend, und irgendwann kommt der Wunsch nach Naomi-Titeln oder einer Runde am virtuellen N64. Genau hier trennt sich die Hardware.
Es hilft, die Systeme in Stufen zu denken:
- Leicht: MAME für Automaten aus den 80ern und 90ern, dazu NES, SNES, Mega Drive, Game Boy und die frühen Handhelds. Das läuft praktisch auf allem.
- Mittel: PlayStation 1, Nintendo 64, Sega Saturn, PSP und viele Neo-Geo-Titel. Hier fängt es an, Rechenleistung zu kosten.
- Schwer: Dreamcast, Sega Naomi und Atomiswave, GameCube, PlayStation 2 und Wii. Diese Systeme brauchen spürbar mehr Muskeln.
Ehrlich gesagt entscheidet nicht der Automat über die Hardware, sondern deine Spieleliste. Schreib sie dir auf, bevor du bestellst. Wer ohnehin nur Pac-Man, Street Fighter II und ein paar SNES-Klassiker spielen will, braucht keinen 400-Euro-Rechner. Wer Crazy Taxi in Naomi-Qualität erwartet, wird mit einem Pi nicht glücklich.
Raspberry Pi 5 im Emulations-Alltag
Der Raspberry Pi 5 ist ein echter Sprung gegenüber dem Pi 4. Der Vierkern-Prozessor taktet mit 2,4 GHz, die Grafikeinheit ist neu, und mit 4, 8 oder 16 GB RAM bist du für Emulation gut versorgt. Für den Alltag im Cabinet bedeutet das: Die komplette leichte Stufe läuft ohne Nachdenken, meist mit voller Bildrate und sauberem Ton.
Als Software-Basis nimmst du am besten eine fertige Distribution wie Batocera oder RetroPie. Beide bringen die Emulatoren, ein Frontend und die Steuerungskonfiguration schon mit, sodass du dich nicht durch dutzende Einzelpakete arbeiten musst. Wie du das Frontend danach aufräumst und mit deinen Spielelisten füllst, steht ausführlich in der Anleitung zum MAME-Frontend einrichten. Die tieferen Details zu Emulator-Einstellungen, ROM-Formaten und BIOS-Dateien liegen auf unserer Schwester-Seite mame.app, damit dieser Bau-Ratgeber bei der Hardware bleibt.
Praktisch am Pi ist der geringe Platzbedarf. Die Platine verschwindet hinter dem Monitor, du brauchst keine Steckdose im Gehäuse für ein 230-Volt-Netzteil, und die Verkabelung bleibt übersichtlich. Für einen Bartop mit reiner Retro-Sammlung ist er noch immer eine ehrliche Empfehlung.
Wo der Pi an seine Grenzen kommt
Jetzt der Realitäts-Check, den viele alte Guides verschweigen. Der Pi 5 ist stark für ein Board dieser Größe, aber er ist kein x86-Rechner. In der mittleren Stufe wird es gemischt: PS1 läuft prima, viele N64-Spiele laufen ordentlich, andere ruckeln oder zeigen Grafikfehler, weil die Emulation dieses Systems bis heute knifflig ist. Sega Saturn bleibt selbst auf schneller Hardware eine Wackelpartie.
In der schweren Stufe endet der Spaß. Dreamcast läuft in einfachen Titeln, aber sobald es fordernder wird, brechen Bildrate und Ton ein. Naomi und Atomiswave, also genau die Automaten-Hardware, die viele im Cabinet haben wollen, laufen auf dem Pi bestenfalls durchwachsen. GameCube und PlayStation 2 kannst du auf dem Pi im Grunde abhaken.
Dazu kommt ein Detail, das im geschlossenen Cabinet zählt: Der Pi drosselt seine Leistung, wenn der Chip zu heiß wird. Ohne aktive Kühlung sitzt du also nicht nur an der Rechengrenze, sondern verlierst zusätzlich Leistung, sobald es im Gehäuse warm wird. Mehr dazu weiter unten.
Mini-PC als leistungsstarke Alternative
Ein Mini-PC ist ein vollwertiger x86-Rechner im Format einer dicken Brotdose. Für Emulation ist die Architektur ein echter Vorteil, weil praktisch jeder Emulator zuerst für x86 gebaut wird und dort am rundesten läuft. Zwei Wege sind sinnvoll.
Der günstige Einstieg sind neue Mini-PCs mit Intel-N100-Prozessor. Der Chip ist sparsam, passiv oder mit kleinem Lüfter zu kühlen und deckt die leichte und mittlere Stufe souverän ab. Dreamcast läuft damit ordentlich, und du kommst je nach Titel an die untere schwere Stufe heran.
Der starke Weg ist ein gebrauchter Business-Mini-PC, etwa ein Dell OptiPlex Micro, Lenovo ThinkCentre Tiny oder HP EliteDesk Mini mit Core-i5-Prozessor. Diese Geräte gibt es aus Firmenauflösungen oft erstaunlich preiswert, und ein i5 der letzten Generationen fräst sich durch Naomi, GameCube und die meisten PS2-Titel. Wer Wert auf integrierte Grafik legt, findet mit AMD-Mini-PCs samt Radeon-Grafik (Stichwort 780M) aktuell die stärkste Option fürs Cabinet.
Software-seitig läuft auf einem Mini-PC dieselbe Batocera-Distribution wie auf dem Pi, nur eben die x86-Variante. Du musst dein Wissen also nicht wegwerfen, wenn du später aufrüstest.
Kosten und Stromverbrauch vergleichen
Beim Geld liegen Pi und günstiger Mini-PC näher beieinander, als viele denken. Ein Pi 5 kostet als nacktes Board zwar wenig, aber bis er im Automaten läuft, kommen aktive Kühlung, ein ordentliches Netzteil, eine schnelle Speicherkarte oder besser eine kleine SSD und ein Gehäuse dazu. Rechne das ehrlich zusammen, dann landest du in der Nähe eines einfachen N100-Mini-PCs, der schon eine SSD und einen echten Kühler mitbringt.
Beim Strom hat der Pi weiter die Nase vorn, der Abstand ist aber kleiner geworden. Grobe Richtwerte für den Betrieb im Cabinet:
- Raspberry Pi 5: im Leerlauf wenige Watt, unter Last je nach Peripherie meist einstellig bis knapp darüber.
- Intel-N100-Mini-PC: im Leerlauf niedrig zweistellig, unter Last etwas höher, aber immer noch sparsam.
- Core-i5-Mini-PC: im Leerlauf ähnlich, unter voller Last deutlich hungriger, dafür bekommst du die Leistung.
Für einen Automaten, der ein paar Stunden pro Woche läuft, ist der Stromunterschied am Ende Cent-Sache. Lass die Stromrechnung also nicht die Systemwahl bestimmen. Wichtiger ist, dass ein Mini-PC ein 230-Volt-Netzteil braucht, das du sicher im Gehäuse unterbringen musst. Wie du die Stromversorgung im Cabinet sauber und gefahrlos aufbaust, steht in der Anleitung zu Netzteil und Stromversorgung. Netzspannung ist kein Bastelbereich für Provisorien: Verlängerungen und Steckerleisten gehören fest verlegt und zugentlastet, nie lose auf den Gehäuseboden geworfen.
Kühlung im geschlossenen Gehäuse
Der Punkt, an dem die meisten Bauten leise leiden. Ein Cabinet ist eine warme Kiste, in der Monitor, Rechner und Netzteil gemeinsam heizen. Der Pi 5 braucht in diesem Umfeld zwingend eine aktive Kühlung, sonst drosselt er und deine mühsam eingerichteten Systeme ruckeln plötzlich mitten im Spiel. Der offizielle aktive Kühler mit Lüfter ist hier Pflicht, kein Zubehör.
Ein Mini-PC bringt seine Kühlung ab Werk mit, steht aber im geschlossenen Gehäuse trotzdem im Wärmestau, wenn keine Luft nachkommt. Plane deshalb von Anfang an Lüftungsöffnungen ein: unten Zuluft, oben Abluft, damit die warme Luft nach dem Kamin-Prinzip abziehen kann. Ein leiser 120-Millimeter-Gehäuselüfter, der langsam dreht, bewegt mehr Luft und macht weniger Krach als ein kleiner, der auf voller Drehzahl kreischt.
Wenn du die Lüftungsschlitze mit der Lochsäge oder Stichsäge in die Rückwand schneidest, spann das Werkstück fest ein, trag eine Schutzbrille und zieh den Stecker, bevor du am eingebauten Rechner hantierst. Ein Gitter oder Staubfilter vor der Zuluft spart dir später den halbjährlichen Kampf gegen Wollmäuse auf dem Kühlkörper.
Und wenn Bild und Kühlung stehen, entscheidet am Ende auch der Monitor mit, wie das Ganze wirkt. Ob LCD oder eine echte Röhre besser zu deiner Systemwahl passt, klärt die Anleitung Monitor: LCD oder CRT.
Kurz gesagt: Der Pi 5 ist ein feiner, sparsamer Rechner für einen Retro-Automaten mit klarem Fokus. Sobald aber Naomi, Dreamcast oder ein breites Konsolen-Menü auf deiner Liste stehen, gibst du das gesparte Geld beim Pi doppelt für Frust aus. Dann greif lieber gleich zum Mini-PC und bau dir ein Cabinet, das auch in fünf Jahren noch alles abspielt, was du reinwirfst.
mame-builder ist unabhängig und sammelt Erfahrungswerte aus dem DIY-Bereich. Arbeite umsichtig mit Strom und Werkzeug und prüfe Maße und Bauteile vor dem Kauf selbst.
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