Kurz gefasst
Ein gebrauchter LCD ist 2026 die pragmatische Wahl, während die CRT-Röhre nur für Puristen mit passendem Bezugsweg lohnt.
Inhalt
Die meisten Bauanleitungen aus den frühen 2000ern schwören auf die Röhre, und damals stimmte das auch. Ein alter Fernseher oder ein echtes Arcade-Chassis war günstig, überall verfügbar und zeigte 240p-Spiele genau so, wie die Entwickler sie gedacht hatten. 2026 sieht die Rechnung anders aus. CRTs werden knapp, sind schwer zu transportieren und gefährlich zu handhaben, während brauchbare LCDs für kleines Geld auf jedem Recyclinghof liegen. Welcher Monitor passt in deinen Arcade-Automaten? Die Antwort hängt weniger am Budget als an der Frage, ob dir die originalgetreue Optik oder ein pflegeleichtes Cabinet wichtiger ist. Bevor du dich also am veralteten Standardsatz „ein Cabinet braucht eine Röhre“ orientierst, lohnt der nüchterne Blick auf beide Optionen.
LCD gegen CRT: die ehrliche Abwägung
Der LCD gewinnt bei fast allem, was den Bau einfach macht. Er ist leicht, flach, braucht wenig Einbautiefe, frisst kaum Strom und lässt sich mit einer simplen VGA- oder HDMI-Leitung ansteuern. Ein Panel mit 24 Zoll wiegt keine drei Kilo, eine vergleichbare Röhre bringt schnell 20 Kilo und mehr auf die Waage und braucht rund 45 bis 50 Zentimeter Tiefe hinter der Blende.
Die CRT hat genau einen echten Vorteil, und der ist gewichtig: Sie stellt niedrig auflösende Spiele nativ dar. 240p-Grafik aus den 80ern und 90ern war für die weiche Darstellung, die natürlichen Scanlines und das Nachleuchten einer Lochmaske gezeichnet. Pixel-Art verschmilzt auf der Röhre zu Farbverläufen, die auf einem scharfen LCD hart und kantig wirken. Wer das echte Automatengefühl von damals will, bekommt es bislang nur auf einem echten Röhrenmonitor in voller Qualität.
Die ehrliche Zusammenfassung: Wenn du ein wartungsarmes Cabinet für den Alltag baust, das oft umgestellt wird und lange halten soll, nimm einen LCD. Wenn du ein Restaurationsprojekt mit Anspruch auf Originaloptik angehst und dir Gewicht, Beschaffung und Risiko egal sind, kann sich eine CRT lohnen.
Bildschirmgröße je Bauform
Die Größe richtet sich nach dem Cabinet-Typ, nicht umgekehrt. Miss zuerst deinen Bauplan aus, dann kaufst du den passenden Monitor. Ein zu großes Panel zwingt dich zu einem klobigen Gehäuse, ein zu kleines wirkt verloren hinter der Blende.
Grobe Richtwerte aus der Praxis:
- Bartop für den Tisch: 19 bis 24 Zoll. Beliebt sind 19 Zoll im 4:3-nahen Format, weil sie kompakt bleiben. Wie du das Gehäuse drumherum planst, steht in der Bartop-Anleitung.
- Upright zum Davorstehen: 24 bis 27 Zoll, bei Nachbauten großer Originale auch 32 Zoll. Hier hast du Platz, also darf das Bild groß sein.
- Cocktail-Tisch: 19 bis 22 Zoll, liegend unter der Glasplatte eingebaut. Wichtig ist ein flaches Panel mit geringer Bautiefe.
Plane immer zwei bis drei Zentimeter Luft rings um das nackte Panel ein, damit Halterung und Kabel Platz finden. Miss die reine Panelbreite, nicht die Diagonale samt Rahmen, sonst passt der Monitor am Ende nicht durch die Öffnung.
Seitenverhältnis und echte Arcade-Optik
Hier machen Anfänger den häufigsten Fehler. Fast alle günstigen LCDs sind 16:9, klassische Arcade-Spiele laufen aber in 4:3, viele Shoot-em-ups sogar in gedrehtem 3:4. Zeigst du ein 4:3-Spiel auf einem 16:9-Panel, bekommst du links und rechts schwarze Balken. Das ist nicht falsch, sondern sogar korrekt, denn das Bild wird nicht verzerrt. Wer die Balken vermeiden will, hat drei Wege.
Der erste Weg ist ein echtes 4:3- oder 5:4-Panel. Alte Büromonitore mit 1280 mal 1024 Pixeln (5:4) oder 1024 mal 768 (4:3) füllen die Fläche fast randlos und sind gebraucht spottbillig, weil sie sonst niemand mehr will. Der zweite Weg ist, die Balken schlicht zu akzeptieren und die freie Fläche mit einer schwarzen Blende zu kaschieren. Der dritte Weg gilt für Fans vertikaler Ballerspiele: Du drehst ein 16:9-Panel um 90 Grad in den sogenannten TATE-Modus, dann füllt ein vertikales Spiel wie Ikaruga den Bildschirm nahezu komplett. Diese Drehung musst du beim Cabinet-Bau von Anfang an einplanen, weil sich die Einbaumaße dadurch tauschen.
Gebrauchte LCDs finden und prüfen
Neu kaufen musst du fast nie. Büroauflösungen, Kleinanzeigen und der Wertstoffhof spülen ständig brauchbare Panels heim. Achte weniger auf die Marke und mehr auf die harten Merkmale.
Diese Punkte prüfst du vor dem Einbau, im Idealfall schon beim Kauf:
- Pixelfehler: Ein weißes und ein schwarzes Vollbild anzeigen, dann nach dauerhaft leuchtenden oder toten Punkten suchen.
- Hintergrundbeleuchtung: Gleichmäßig hell oder gibt es dunkle Ecken und helle Wolken? Ungleichmäßiges Backlight fällt bei dunklen Spielen sofort auf.
- Anschlüsse: VGA und HDMI sind am flexibelsten. Ein reiner DisplayPort-Monitor macht mit älteren Mini-PCs oder einem Zero-Delay-Setup manchmal Ärger.
- Panel-Typ: VA und IPS haben stabile Blickwinkel, TN kippt bei schrägem Blick in der Farbe. Beim liegenden Cocktail-Tisch ist der Blickwinkel entscheidend.
- Rahmenbreite: Ein schmaler Rahmen erleichtert den Einbau hinter einer Blende enorm, gerade beim engen Bartop.
Nach dem Ausbau aus dem Originalgehäuse hast du nur noch das nackte Panel plus die Steuerplatine. Wie du das sicher befestigst und das Bild sauber ausrichtest, zeigt die Anleitung zum Monitor einbauen.
CRT-Röhre: Bezug und Gefahren
Willst du trotzdem die echte Röhre, brauchst du erst eine Quelle. Grob gibt es drei Gruppen. Alte TV-Röhren sind billig und laufen über RGB oder SCART nativ mit 15 kHz, damit sind sie ohne Umbau arcade-tauglich und die richtige Wahl für kleines Geld. Reine PC- oder VGA-Röhren dagegen synchronisieren fast immer erst ab 31 kHz und lassen sich in der Praxis kaum auf 15 kHz absenken, nur wenige seltene Modelle beherrschen beide Frequenzen. Kaufst du blind einen alten Büromonitor, landest du also leicht bei 31 kHz und der originale 15-kHz-Look bleibt aus. Echte Arcade-Chassis von Herstellern wie Hantarex, Wells-Gardner oder Nanao laufen nativ mit 15 kHz und liefern die originale Optik, sind aber gesucht und entsprechend teuer. Professionelle Studiomonitore (PVM und BVM von Sony) gelten als Königsklasse und werden zu Sammlerpreisen gehandelt.
Jetzt der Teil, der wirklich zählt. Eine CRT ist kein harmloses Möbelstück. Im Betrieb liegen an der Anode 25.000 Volt und mehr an, und der Bildröhrenkondensator hält diese Hochspannung noch Tage nach dem Ausschalten. Wer die Röhre öffnet und die falsche Stelle berührt, riskiert einen Schlag, der tödlich sein kann. Vor jeder Arbeit im Inneren musst du die Anode fachgerecht entladen, mit isoliertem Werkzeug und Erdung. Dazu kommt die Implosionsgefahr: Das Glas steht unter Unterdruck, ein harter Schlag lässt es nach innen bersten und Splitter fliegen. Wenn du dir bei diesen Schritten unsicher bist, lass die Finger davon oder hol jemanden mit Erfahrung dazu. Angesteuert wird eine 15-kHz-Röhre am PC über ein Interface wie den J-PAC, das die VGA-Sync sauber durchschleift, oder über eine echte 15-kHz-Grafikkarte wie die ArcadeVGA von Ultimarc, jeweils zusammen mit der Software GroovyMAME, die die exakten alten Timings erzeugt.
Scanlines und Shader als CRT-Ersatz
Die gute Nachricht für alle, die keine Röhre schleppen wollen: Ein hoch auflösender LCD kommt der Optik erstaunlich nah, wenn du Software nachhilfst. CRT-Shader rechnen Scanlines, Maskengeometrie und das leichte Leuchten der Phosphore in Echtzeit ins Bild. In RetroArch sind Presets wie crt-royale, crt-lottes oder crt-guest fertig dabei, du schaltest sie mit wenigen Klicks zu. Auf einem 24-Zoll-Panel mit voller Auflösung bekommst du damit gut 80 Prozent des Röhrenlooks ohne Hochspannung und ohne 20 Kilo Glas.
Ein Detail dazu: Schwere Shader brauchen Rechenleistung. Ein Raspberry Pi packt einfache Scanline-Filter, kommt bei aufwendigen Masken-Shadern aber ins Schwitzen, während ein kleiner Mini-PC sie flüssig darstellt. Welche Basis für dein Cabinet passt, klärt der Vergleich Raspberry Pi gegen Mini-PC. Die genaue Einrichtung von Emulator, Frontend und Shadern gehört nicht ins Holz, sondern in die Software, deshalb findest du die ausführlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen dafür auf unserer Schwester-Seite mame.app.
Unterm Strich: Für den Alltagsautomaten baust du 2026 mit gutem Gewissen einen gebrauchten LCD ein und legst einen Shader drüber. Die echte Röhre bleibt das Reich der Puristen, die den Aufwand, die Kosten und das Risiko bewusst in Kauf nehmen.
mame-builder ist unabhängig und sammelt Erfahrungswerte aus dem DIY-Bereich. Arbeite umsichtig mit Strom und Werkzeug und prüfe Maße und Bauteile vor dem Kauf selbst.