Kurz gefasst
Ein normaler Monitor wandert erst nach dem Entrahmen ins Cabinet, und für Shmups lässt er sich per TATE-Modus hochkant montieren.
Inhalt
Ein Monitor aus dem Laden passt mit seinem Plastikgehäuse in kein Cabinet. Das dicke Rahmenmaterial trägt zu weit auf, der Fuß steht im Weg, und hinter der Marquee-Scheibe würde eine hässliche Kante hervorlugen. Wer sein Upright-Cabinet sauber bekommen will, kommt am Entrahmen kaum vorbei. Ich zeige dir Schritt für Schritt, wie du das Panel gefahrlos aus der Hülle holst, wackelfest verbaust und für Hochkant-Spiele um 90 Grad drehst.
Monitor entrahmen ohne Beschädigung
Zieh als Erstes den Netzstecker und lass das Gerät ein paar Minuten stehen. Ältere Displays mit CCFL-Hintergrundbeleuchtung haben einen Inverter, der auch nach dem Ausschalten Hochspannung führen kann. Moderne LED-Monitore sind da deutlich harmloser, aber Vorsicht schadet nie. Wenn du ein CRT im Sinn hast, lies vorher unbedingt Monitor: LCD oder CRT, denn ein Röhrenmonitor speichert lebensgefährliche Ladung im Anodenkabel und gehört nicht in Anfängerhände.
Beim LCD gehst du so vor:
- Fuß abschrauben, meist vier Schrauben oder eine VESA-Platte.
- Rückschale rundum von Clips lösen. Ein Plastikspudger oder ein altes Gitarrenplektrum hebelt schonender als ein Schraubenzieher.
- Die Metallwanne mit Platine und Backlight bleibt drin, nur das Plastik kommt runter.
- Das Panel selbst ist eine dünne Glasscheibe. Fass es nur an den Rändern an und drück niemals auf die Anzeigefläche.
Die kritische Stelle sind die Flachbandkabel zwischen Panel und Steuerplatine. Diese LVDS-Leitungen brechen, wenn du zu hart ziehst. Löse die Platine vorsichtig und lass die Kabel dran, statt sie abzustecken. Am Ende hältst du ein nacktes Panel mit angeschraubter Metallrückseite in der Hand, und genau das braucht im Cabinet nur noch wenige Millimeter Tiefe.
Halterung im Cabinet bauen
Das entrahmte Panel muss auf einer stabilen Ebene sitzen. Am einfachsten baust du einen Rahmen aus Leisten oder MDF-Streifen, die du innen an die Seitenwände schraubst. Auf diese Auflage legst du eine MDF-Platte (18 mm) mit einem rechteckigen Ausschnitt, das sogenannte Monitorbrett. Der Ausschnitt ist ein paar Millimeter kleiner als die aktive Bildfläche, damit das Panel von hinten dagegen drückt und die Ränder verdeckt werden.
Miss die aktive Fläche selbst nach, verlass dich nicht auf die Zolldiagonale. Wenn du den Ausschnitt mit der Stichsäge machst, bohr in jede Ecke ein Loch und säge sauber auf Anriss. Eine Oberfräse mit Bündigfräser gibt saubere Kanten, falls du eine Schablone hast. Behalte die originale Metallrückseite des Monitors, denn oft sitzen dort VESA-Gewinde (75 oder 100 mm). Über diese Löcher kannst du das Panel mit Winkeln oder einer VESA-Platte auf dem Monitorbrett fixieren, ohne irgendwo ins Glas zu bohren. Details zum Zuschnitt und zu Ausschnitten findest du im MDF-Zuschnitt-Ratgeber.
Erschütterungssicher befestigen
Ein Arcade-Automat wird gerüttelt. Joysticks werden gedroschen, Buttons gehämmert, und beim Transport schaukelt alles durch. Vibration ist der Feind jeder Schraubverbindung und jedes Flachbandkabels. Wenn du das Panel starr gegen Holz oder Metall presst, arbeiten sich die Ecken mit der Zeit frei oder ein LVDS-Stecker rutscht heraus.
So machst du es dauerhaft fest:
- Leg schmale Streifen selbstklebenden Dichtungsschaum zwischen Panelrand und Auflage. Der Schaum dämpft Stöße und gleicht Unebenheiten aus.
- Nutze Nylonstopmuttern oder einen Tropfen Schraubensicherung (mittelfest, zum Beispiel Loctite 243), damit sich nichts durch Rütteln löst.
- Fixiere die lose Steuerplatine mit Abstandshaltern oder Kabelbindern an der Rückwand. Eine an den LVDS-Leitungen baumelnde Platine reißt früher oder später ab.
- Vermeide direkten Metall-auf-Glas-Kontakt. Immer eine weiche Lage dazwischen.
Ein guter Test: Klopf nach dem Einbau kräftig gegen das Cabinet und ruckel am Panel. Wenn sich nichts bewegt und das Bild nicht flackert, sitzt es.
Bezel und Rand kaschieren
Ein nacktes Panel im Ausschnitt sieht selbst gut montiert unfertig aus. Der Spalt rundum, die silberne Metallkante und das Backlight-Leuchten an den Seiten wollen verdeckt werden. Dafür ist der Bezel da, also die dunkle Blende vor dem Bild.
Am schnellsten schneidest du eine dünne Platte (3 mm MDF, Hartfaser oder Schaumkarton) mit einem Fenster, das minimal kleiner ist als die aktive Fläche. Lackier sie mattschwarz oder bezieh sie mit schwarzem Filz, das schluckt Streulicht und wirkt tief. Viele Bauer drucken einen grafischen Bezel mit Rahmen im Stil des jeweiligen Spiels und laminieren ihn. Wenn dein Panel 16:9 ist, deine Lieblingsspiele aber 4:3 laufen, kaschierst du die seitlichen Streifen mit schwarzen Blenden im Bezel, dann fällt das Letterboxing nicht auf. Passend zum Look kannst du die Front später mit Vinyl-Bespannung und Side-Art veredeln.
TATE-Modus für Hochkant-Spiele einrichten
TATE ist japanisch für vertikal und meint einen um 90 Grad gedrehten Monitor. Klassiker wie Galaga oder Pac-Man und vor allem moderne Shmups wie DoDonPachi oder Ikaruga wurden für ein hochkant stehendes Bild entworfen. Auf einem quer liegenden Monitor bleibt davon nur ein schmaler Streifen in der Mitte. Beim TATE-Modus drehst du den Monitor physisch, sodass du die volle Auflösung nutzt.
So richtest du es ein:
- Panel physisch um 90 Grad gedreht ins Cabinet einbauen. Ob Drehung nach links oder rechts hängt davon ab, wo Platine und Anschlüsse sitzen.
- Im Betriebssystem die Bildschirmausgabe passend drehen. Unter Windows geht das in den Anzeigeeinstellungen oder im Grafiktreiber (Hochformat 90 oder 270 Grad).
- Danach steht dein ganzer Desktop hochkant, und vertikale Spiele füllen den Schirm.
Ehrlich gesagt ist ein fest verbautes TATE-Cabinet ein Kompromiss: Vertikale Spiele sehen grandios aus, horizontale Titel liegen dann quer und laufen nur klein. Manche bauen deshalb einen drehbaren Monitorrahmen, das ist aber deutlich aufwendiger. Ein Cocktail-Tisch löst das eleganter, weil zwei Spieler ohnehin gegenübersitzen. Wenn dich diese Bauform reizt, schau in Cocktail-Automat bauen. Wie du MAME danach mit den Rotationsoptionen wie -ror und -rol sowie den Auto-Rotate-Schaltern konfigurierst, damit jedes Spiel richtig herum erscheint, erklärt die Schwester-Seite mame.app samt der offiziellen MAME-Dokumentation. Grundlagen zum Frontend findest du zusätzlich im Ratgeber MAME-Frontend einrichten.
Spiegelungen hinter Plexiglas vermeiden
Sobald eine Scheibe vor den Monitor kommt, entsteht eine zweite reflektierende Fläche. Zwischen Panel und Plexiglas sitzt Luft, und dieser Spalt wirft bei hellem Raumlicht Doppelspiegelungen zurück. Das killt den Kontrast schneller als jede schlechte Kalibrierung.
Ein paar Stellschrauben helfen zuverlässig:
- Nimm mattes, entspiegeltes Acrylglas statt hochglänzendem Plexiglas. Der Unterschied ist enorm.
- Halte den Abstand zwischen Panel und Scheibe klein. Je kleiner der Luftspalt, desto weniger Innenreflexion.
- Streich das komplette Cabinet-Innere mattschwarz. Was nicht hell ist, kann sich nicht spiegeln.
- Dreh die Hintergrundbeleuchtung nicht auf Maximum. Ein LCD wirkt hinter Glas oft schon bei mittlerer Helligkeit satt.
Wer es perfekt will, verklebt Scheibe und Panel optisch (Optical Bonding), das ist aber Fummelarbeit mit Spezialgel und für die meisten Heimprojekte übertrieben. Für ein wohnzimmertaugliches Cabinet reichen mattes Acryl, ein schwarzer Innenraum und ein Standort ohne Fenster im Rücken. Dann bleibt das Bild sauber, egal ob quer oder hochkant.
Weiterführende Praxis und Diskussionen zum Monitoreinbau findest du seit Jahren in der Community der Build Your Own Arcade Controls (BYOAC), erreichbar über arcadecontrols.com. Dort tauschen Bauer reale Maße, Fehler und Lösungen aus, was am Ende mehr wert ist als jede Theorie.
mame-builder ist unabhängig und sammelt Erfahrungswerte aus dem DIY-Bereich. Arbeite umsichtig mit Strom und Werkzeug und prüfe Maße und Bauteile vor dem Kauf selbst.