Kurz gefasst
Ein Upright-Standautomat braucht rund 18 mm MDF, etwa 170 cm Höhe und eine durchdachte Schnittliste, bevor die erste Platte gesägt wird.
Inhalt
Die meisten Baupläne für einen Full-Size-Upright stammen aus den USA und rechnen in Zoll. Wer die typischen 3/4 Zoll einfach stumpf auf 18 Millimeter umlegt, schleppt bei jedem einzelnen Bauteil gut einen Millimeter Fehler mit (3/4 Zoll sind 19,05 mm, nicht 18), und am Ende passen Monitorblende und Control-Panel nicht mehr sauber zwischen die Seitenteile. Deshalb hier ein durchgerechneter, metrischer Arcade-Cabinet-Bauplan für 18-mm-MDF, mit dem du beim Baumarkt direkt eine Zuschnittliste abgeben kannst.
Standardmaße eines Upright-Cabinets
Ein klassischer Standautomat der 80er und 90er ist so hoch, dass ein Erwachsener bequem im Stehen spielt, und so breit, dass zwei Leute nebeneinander an die Buttons kommen. An diesen bewährten Maßen orientierst du dich am besten, statt sie neu zu erfinden. Die folgenden Werte sind ein guter Startpunkt für ein Cabinet aus 18-mm-MDF:
| Maß | Wert |
|---|---|
| Gesamthöhe (mit Marquee) | 1700 bis 1780 mm |
| Außenbreite | 660 mm |
| Innenbreite (zwischen den Seitenteilen) | 624 mm |
| Tiefe Korpus | 600 mm |
| Tiefe mit Control-Panel-Überstand | 760 bis 800 mm |
| Oberkante Control-Panel (Bauchhöhe) | 900 bis 950 mm |
| Monitor-Mitte über Boden | 1250 bis 1330 mm |
Die Innenbreite von 624 mm ergibt sich aus 660 mm außen minus zweimal 18 mm Seitenteil. Merk dir diese Zahl, denn fast jedes waagerechte Bauteil (Boden, Deck, Blenden, Querstreben) wird genau auf diese 624 mm zugeschnitten. Wenn du einen 24-Zoll- oder 27-Zoll-Monitor einbauen willst, prüfe vorher, ob das Panel plus Rahmen in die 624 mm passt. Bei größeren Displays musst du die Außenbreite anheben, und dann verschieben sich alle Zuschnitte mit.
Seitenteile, Front und Rückwand im Überblick
Die beiden Seitenteile sind das Herz des Cabinets. Sie tragen die komplette Geometrie: die Neigung der Monitorblende, den Rücksprung über dem Control-Panel, die Fußhöhe. Zeichne das Profil einmal sauber im Maßstab 1:1 auf eine Platte auf, säge es mit der Stichsäge grob aus und arbeite die Kante mit der Oberfräse nach. Dieses erste Teil wird dann zur Schablone: Du legst es auf die zweite Platte und fräst mit einem Bündigfräser exakt nach. So sind beide Seiten garantiert deckungsgleich, was du mit reinem Anzeichnen nie so genau hinbekommst. Details zum sauberen Auftrennen findest du unter MDF richtig zuschneiden.
Die Front ist keine durchgehende Platte, sondern besteht aus mehreren Segmenten zwischen den Seitenteilen: die Sockelblende ganz unten, die Blende unter dem Control-Panel, die Monitorblende (Bezel) und oben der Bereich für das Marquee. Diese Aufteilung ist Absicht, denn so kommst du später an Monitor und Elektronik heran. Die Rückwand teilst du sinnvollerweise in zwei Teile: einen fest verschraubten oberen Bereich und eine untere Wartungsklappe, über die du an Rechner, Netzteil und Verkabelung kommst.
Monitor- und Control-Panel-Winkel richtig planen
Die Winkel entscheiden, ob sich der Automat später gut spielt oder ob du krumm davorstehst. Zwei Winkel musst du festlegen:
- Control-Panel: klassische Uprights liegen zwischen flach (0 Grad) und leicht zum Spieler geneigt (etwa 8 bis 10 Grad). Ganz flach ist am einfachsten zu bauen und für die meisten Spiele völlig okay.
- Monitor: das Display kippt oben leicht nach hinten, damit du von oben leicht darauf schaust. Übliche Werte liegen bei 10 bis 15 Grad aus der Senkrechten.
Für die Bohrbilder der Buttons gilt: gängige Sanwa- (OBSF-30) und Seimitsu-Buttons brauchen ein 30-mm-Loch, die kleineren Varianten 24 mm. Halte dich bei den Abständen an eine erprobte Vorlage, statt frei zu schätzen, sonst sitzen die Finger unbequem. Eine gute, seit Jahren genutzte Referenz für Button-Layouts ist Slagcoin. Wie du das Panel dann wirklich aufbaust und bohrst, steht unter Control-Panel bauen. Für die Halterung und das Ausrichten des Displays hilft dir Monitor einbauen.
Schnittliste und Materialbedarf berechnen
Jetzt wird der Arcade-Cabinet-Bauplan konkret. Die folgende Liste reicht für ein Cabinet mit 660 mm Außenbreite und 600 mm Korpustiefe. Alle waagerechten Teile sind 624 mm breit. Die Höhenmaße der Blenden hängen von deinem Monitor ab, deshalb sind sie als Richtwert zu verstehen und vor dem Zuschnitt an deinem tatsächlichen Aufbau zu prüfen.
| Stk. | Bauteil | Maß (mm) |
|---|---|---|
| 2 | Seitenteil (profiliert) | 1700 x 760 |
| 1 | Boden | 624 x 570 |
| 1 | Sockelblende vorne unten | 624 x 150 |
| 1 | Blende unter Control-Panel | 624 x 120 |
| 1 | Control-Panel-Deck | 624 x 340 |
| 1 | Monitorboden / Ablage | 624 x 450 |
| 1 | Monitorblende (mit Ausschnitt) | 624 x 300 |
| 1 | Lautsprecher-Panel | 624 x 180 |
| 2 | Marquee-Halter (oben und unten) | 624 x 60 |
| 1 | Rückwand oben (fest) | 624 x 700 |
| 1 | Wartungsklappe unten | 624 x 500 |
| 3 | Querstreben (Verstärkung) | 624 x 80 |
Für den Materialbedarf rechne mit zwei bis drei Platten MDF im Format 2440 x 1220 mm. Die beiden Seitenteile fressen den meisten Platz, plane sie großzügig ein. Grob liegst du beim MDF im Bereich von rund 60 bis 100 Euro, je nach Baumarkt und Plattenzahl. Dazu kommt das T-Molding für die sichtbaren Kanten der Seitenteile: miss den Umfang beider Profile (rund 8 bis 9 Meter zusammen) und kauf eine 10-Meter-Rolle in 19 mm Breite, passend zur 18-mm-Platte. Wie du es blasenfrei und ohne Wellen in die gefräste Nut drückst, steht unter T-Molding anbringen.
Stabile Verbindungen und Wartungsklappe
MDF hat eine Schwäche: In die rohe Schnittkante geschraubt, reißt es aus und hält kaum. Verlass dich deshalb nie auf Schrauben, die direkt in eine Plattenkante greifen. Die robuste und anfängerfreundliche Lösung sind Leisten in den Innenecken, also Vierkantstäbe aus Holz (etwa 20 x 20 oder 30 x 30 mm), die du zuerst an das eine Bauteil leimst und schraubst und an die du dann das zweite Bauteil schraubst. So verbindest du immer Fläche mit Fläche, und die Konstruktion wird verwindungssteif.
Bohr in MDF grundsätzlich vor, auch für Spanplattenschrauben (4 x 40 mm sind ein guter Standard). Ohne Vorbohren sprengt der Schraubenkopf das Material an der Kante auf. Für die Wartungsklappe unten an der Rückseite nimmst du entweder ein einfaches verschraubtes Panel oder eine Klappe mit Scharnier und Magnetschnäppern. Wichtig ist nur, dass du im Betrieb an Netzteil, Rechner und Kabel kommst, ohne den halben Automaten zu zerlegen.
Sicherheitshinweis: Alles, was mit Netzspannung läuft (Kaltgerätebuchse, Netzteil, Monitor-Netzteil, Steckdosenleiste im Cabinet), gehört fachgerecht angeschlossen, mit Zugentlastung und ohne freiliegende 230-Volt-Kontakte. Im Zweifel lass diesen Teil von jemandem mit Elektro-Kenntnis prüfen. Und bei Stichsäge und Oberfräse gilt: Schutzbrille auf, MDF-Staub ist fein und gesundheitsschädlich, arbeite mit Absaugung oder Maske und im Freien oder gut belüftet.
Transport und Zerlegbarkeit bedenken
Ein fertiges Full-Size-Upright wiegt schnell 50 bis 80 Kilogramm und ist über 1,70 Meter hoch. Das trägst du nicht allein die Treppe hoch, und durch manche Wohnungstür geht es nur mit Kippen und zu zweit. Miss deine Türen, den Flur und vor allem das Treppenhaus, bevor du baust, sonst steht der schöne Automat am Ende im falschen Raum.
Wer später umziehen oder den Automaten öfter bewegen will, plant von Anfang an zerlegbar. Setz an den Verbindungen von Rückwand und Boden Einschlagmuttern ins MDF und verschraube mit M6-Schrauben statt mit Holzschrauben. So löst du die tragenden Teile in wenigen Minuten, ohne dass ein Gewinde ausleiert. Denk auch an die Lagerung: MDF zieht Feuchtigkeit und quillt auf. Ein feuchter Kellerraum oder die offene Garage sind auf Dauer der sichere Tod für den Korpus.
Steht das Cabinet erst einmal, geht es an Emulator und Frontend. Das Software-Setup, also MAME, ROMs und die passenden Oberflächen, behandeln wir ausführlich auf unserer Schwester-Seite mame.app. Wer tiefer in Cabinet-Bau, Control-Panel-Maße und die Community-Erfahrung einsteigen will, findet auf Build Your Own Arcade Controls über Jahre gesammeltes Wissen und viele fertige Pläne zum Abgleichen.
mame-builder ist unabhängig und sammelt Erfahrungswerte aus dem DIY-Bereich. Arbeite umsichtig mit Strom und Werkzeug und prüfe Maße und Bauteile vor dem Kauf selbst.