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Planung & Baupläne

Cocktail-Arcade-Automat selber bauen

Cocktail-Arcade-Automat selber bauen KI-generiert

Kurz gefasst

Der Cocktail-Tisch spielt zu zweit gegenüber mit gespiegeltem Bild und braucht dafür eine Software-Rotation statt eines zweiten Monitors.

Inhalt
  1. Besonderheiten der Cocktail-Bauform
  2. Maße und Sitzhöhe planen
  3. Monitor liegend einbauen und schützen
  4. Gespiegelte Ansicht per Software lösen
  5. Steuerung für zwei gegenüberliegende Spieler
  6. Glasplatte und Oberfläche schützen

Beim Cocktail-Automaten sitzen zwei Spieler einander gegenüber und schauen auf denselben liegenden Bildschirm. Für Spieler eins steht das Bild richtig herum, für Spieler zwei steht es auf dem Kopf. Genau da liegt der Punkt, den viele Bauanleitungen komplett auslassen: Du brauchst keinen zweiten Monitor und auch keinen Trick mit Spiegeln, sondern eine saubere Software-Lösung, die das Bild pro Spielerwechsel dreht. Alles andere am Bau ist gut machbar, wenn du schon mal ein Bartop oder einen Upright zusammengeschraubt hast.

Dieser Ratgeber geht die Cocktail-Bauform von der Sitzhöhe bis zur Glasplatte durch und zeigt dir, worauf es bei der gespiegelten Ansicht und der doppelten Steuerung wirklich ankommt.

Besonderheiten der Cocktail-Bauform

Ein Cocktail-Cabinet ist im Kern ein niedriger Tisch mit einem nach oben gerichteten Bildschirm unter Glas. Die klassischen Automaten der frühen 80er (Pac-Man, Galaga, Ms. Pac-Man) waren fast alle in dieser Bauform erhältlich, weil sich zwei Leute bequem daran gegenübersitzen konnten.

Das bringt drei Eigenheiten mit, die es beim Bartop oder Upright nicht gibt:

  • Der Monitor liegt waagerecht und zeigt nach oben, nicht senkrecht zum Betrachter.
  • Es gibt zwei vollwertige Control-Panels, eines an jeder Sitzkante.
  • Für abwechselnd gespielte Titel muss sich das Bild um 180 Grad drehen, damit der zweite Spieler es richtig herum sieht.

Wenn du das von Anfang an einplanst, ist der Rest reine Tischlerarbeit. Wer erst am Ende merkt, dass die Steuerung nicht mitdreht, baut das halbe Gehäuse wieder auf.

Maße und Sitzhöhe planen

Die Ergonomie entscheidet, ob der Automat sich wie ein echtes Möbelstück anfühlt oder wie eine zu niedrige Kiste. Orientiere dich an einer normalen Tischhöhe, damit man auf einem Stuhl bequem sitzt und die Arme entspannt auf dem Panel ablegen kann.

Als bewährter Startpunkt gelten diese Werte, die du an deine Körpergröße und deine Stühle anpasst:

MaßRichtwert
Gehäusehöhe (Oberkante Glas)700 bis 760 mm
Breite (Länge der Sitzkante)580 bis 640 mm
Tiefe (Abstand Spieler zu Spieler)640 bis 720 mm
Panel-Höhe über dem Boden680 bis 720 mm
Glasplatte, Einbauflächeca. 500 x 400 mm sichtbar

Zeichne den Grundriss zuerst auf Papier oder in ein einfaches CAD-Programm und setze dich probeweise an einen Tisch der geplanten Höhe. Prüfe, ob deine Knie unter die Zarge passen und ob zwei Personen sich nicht mit den Beinen ins Gehege kommen. Das ist bei der Cocktail-Form die häufigste Enttäuschung: außen sieht der Automat gut aus, aber unter dem Tisch wird es eng.

Als Werkstoff nimmst du MDF in 18 mm für die tragenden Wände und den Boden. Für die Sichtseiten kannst du auf 12 mm gehen, wenn du Gewicht sparen willst, aber die Seiten mit dem Panel sollten stabil bleiben. Wie du die Platten sauber und maßhaltig zuschneidest, steht ausführlich in der Anleitung zum MDF-Zuschnitt.

Monitor liegend einbauen und schützen

Für den liegenden Einbau nimmst du einen normalen LCD-Monitor, den du aus dem Kunststoffgehäuse löst und auf einem Rahmen im Inneren des Tisches montierst. Ein 17- oder 19-Zoll-Panel im Format 4:3 passt am besten zur Optik der alten Titel, ein 20- bis 22-Zoll-Widescreen ist die günstigere und leichter beschaffbare Alternative, kostet dich aber schwarze Balken bei senkrechten Spielen.

Der Monitor zeigt nach oben und wird von unten gegen eine Blende gedrückt, sodass nur die aktive Bildfläche durch den Ausschnitt zu sehen ist. Wichtig ist ein Abstand von einigen Zentimetern zwischen Panel und Glas, damit Wärme abziehen kann und du beim Draufdrücken auf das Glas nicht direkt auf das Display drückst.

Achte auf diese Punkte:

  • Die Elektronikplatine des Monitors bleibt zugänglich, denn die Tasten für Helligkeit und Menü brauchst du beim Einrichten.
  • Führe das Displaykabel und die Stromversorgung so, dass sie nicht im Sitzbereich der Beine hängen.
  • Lege eine dünne Schaumstoffleiste zwischen Monitorrahmen und Holz, das nimmt Vibrationen und verhindert Klappern.

Für die Montagemethode, die Rahmenkonstruktion und die Kabelführung im Detail hilft dir die Anleitung Monitor einbauen. Ein Hinweis zur Sicherheit: Trenne den Monitor vor jedem Umbau vom Netz. Auch nach dem Ausstecken können Kondensatoren im Netzteil noch Spannung halten, deshalb fasst du niemals bei laufendem oder frisch getrenntem Gerät in die Platine.

Gespiegelte Ansicht per Software lösen

Jetzt kommt der Teil, der die Bauform ausmacht. Bei einem echten Cocktail-Automaten dreht die Spiel-Hardware das Bild automatisch, sobald der zweite Spieler dran ist. Diese Funktion bildest du im Emulator nach, statt sie mechanisch zu bauen.

In MAME haben viele der originalen Cocktail-Titel einen sogenannten Cocktail-Modus, den du in den DIP-Switch-Einstellungen der jeweiligen Maschine aktivierst. Ist er an, dreht MAME das Bild für Spieler zwei selbst um 180 Grad und tauscht die Steuerung mit. Bei Spielen ohne diese Originalfunktion arbeitest du mit den Rotations- und Ausrichtungsoptionen des Emulators und legst pro Spiel fest, wie das Bild steht.

Der Grundgedanke ist einfach: ein Monitor, ein Bild, das per Konfiguration gedreht wird. Ein zweiter Bildschirm oder eine Spiegelfolie ist überflüssig und würde nur Helligkeit und Schärfe kosten. Wie du den Cocktail-Modus pro Spiel einstellst, welche Titel ihn nativ unterstützen und wie du das in deinem Frontend abspeicherst, zeigen wir auf unserer Schwester-Seite mame.app, die sich komplett um das Software- und Emulations-Setup kümmert. Als Referenz für die Original-Software dient das Projekt MAME.

Ehrlich gesagt ist das der Schritt, an dem Anfänger am meisten Zeit verlieren. Nimm dir vor, erst ein einziges Spiel wie Pac-Man vollständig zum Laufen und Drehen zu bringen, bevor du deine ganze Sammlung einrichtest. Wenn das eine sauber funktioniert, überträgst du die Einstellung auf den Rest.

Steuerung für zwei gegenüberliegende Spieler

Beide Sitzkanten bekommen ein eigenes Control-Panel, jeweils mit Joystick und Buttons. Für die typischen Cocktail-Klassiker reichen ein Achtwege-Stick und zwei bis drei Buttons pro Seite. Setz auf bekannte Teile: Sanwa oder Seimitsu bei Stick und Tastern spielen sich deutlich besser als No-Name-Ware und halten Jahre.

Ein Detail, das viele übersehen: Die Kernvertreter dieser Bauform, also Pac-Man und Ms. Pac-Man, sind eigentlich Vierwege-Titel. Auf einem ungebremsten Achtwege-Stick spielen sie sich schwammig, weil der Stick ständig Diagonalen mitgreift und Pac-Man dann falsch abbiegt. Nimm deshalb einen Stick mit wechselbarem Gate: Bei den gängigen Sanwa- und Seimitsu-Sticks tauschst du das Gate gegen einen Vierwege-Einsatz, und der Ultimarc ServoStik schaltet sogar per Software zwischen vier und acht Richtungen um. Für Galaga oder Donkey Kong lässt du die vollen acht Richtungen, für die Pac-Man-Familie stellst du auf vier.

Verkabelt werden beide Panels an einen USB-Encoder. Ein einfacher Zero-Delay-Encoder deckt einen Spieler mit reichlich Eingängen ab. Für zwei vollwertige Panels nimmst du entweder einen Zwei-Spieler-Encoder oder zwei einzelne Boards, oder du greifst gleich zu einem hochwertigeren Ultimarc-Interface, das beide Spieler und mehr Buttons sauber abbildet. Wie du Stick und Taster ordentlich anlötest, entstörst und beschriftest, steht in der Anleitung Buttons und Joystick verkabeln.

Bei den abwechselnd gespielten Titeln mit aktivem Cocktail-Modus übernimmt MAME den Steuerungswechsel automatisch mit, passend zum gedrehten Bild. Bei Spielen für zwei gleichzeitig aktive Spieler sind beide Panels dauerhaft belegt und du weist sie als Spieler eins und Spieler zwei zu. Teste beide Belegungen früh, denn ein vertauschter Anschluss fällt sonst erst auf, wenn alles verschraubt und verklebt ist.

Glasplatte und Oberfläche schützen

Über den Monitor kommt eine Glasplatte, auf der die Spieler ihre Getränke und Arme ablegen. Nimm gehärtetes Sicherheitsglas (ESG) in 4 bis 6 mm, denn normales Floatglas kann bei Belastung brechen und splittert gefährlich. Als leichtere und günstigere Alternative geht Acrylglas (PMMA) in 5 bis 8 mm, das zerkratzt allerdings schneller und braucht eine schützende Beschichtung, wenn es lange schön bleiben soll.

Die Platte liegt in einem umlaufenden Falz auf, damit sie bündig mit der Tischoberfläche abschließt und nicht verrutscht. Lege eine dünne Filz- oder Gummidichtung unter, das verhindert Kratzer auf dem Glas von unten und Klappern beim Anstoßen. Lass an einer Seite eine Möglichkeit, die Platte wieder herauszunehmen, denn zum Reinigen und für Wartung am Monitor musst du irgendwann wieder drankommen.

Für die sichtbaren Holzkanten sorgt eine Beschichtung aus lackiertem MDF, Vinyl-Folie oder eine Kombination. Die Außenkanten schützt du wie beim Bartop mit T-Molding, das gleichzeitig Stöße abfängt und dem Automaten den klassischen Look gibt. Wie du die Nut fräst und das Profil sauber einsetzt, zeigt die Anleitung T-Molding anbringen.

Ein letzter Praxishinweis zu den Kosten: Rechne für einen Cocktail-Automaten mit deutlich mehr Material als beim Bartop, vor allem wegen der zweiten Steuerung, der größeren Glasplatte und dem stabileren Korpus. Die genauen Preise schwanken je nach Monitorquelle und Region stark, deshalb plane lieber großzügig und kaufe Glas und Stick-Teile erst, wenn dein Zuschnitt steht. So baust du einen Cocktail-Arcade-Automaten, der sich zu zweit richtig gut spielt und nicht nur gut aussieht.

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