KI-generiert
Kurz gefasst
Der Zero-Delay-Encoder macht aus Buttons und Joystick ein USB-Gamepad, und die Masse läuft als Daisy-Chain über alle Taster.
Inhalt
Sechs Buttons, ein Joystick, ein kleines grünes Platinchen mit einer Reihe Anschluss-Pins und ein Bündel bunter Kabel: An dieser Stelle steigen mehr Bastler aus als bei jedem Sägeschnitt. Dabei ist es kein Hexenwerk, einen Arcade-Joystick zu verkabeln, sobald du einmal verstanden hast, dass jeder Taster nur ein Schalter ist, der ein Signal auf Masse zieht. Wenn dein Control Panel gebohrt und bestückt ist, brauchst du für den Rest keine Lötstation, sondern nur Steckverbinder und etwas Ordnung.
Wie ein Zero-Delay-Encoder funktioniert
Der Zero-Delay-Encoder ist eine kleine USB-Platine, die deine mechanischen Schalter in ein ganz normales Gamepad-Signal übersetzt. Der Rechner erkennt ihn als HID-Controller, ganz ohne Treiber. Jeder Arcade-Button und jede Richtung am Joystick sitzt auf einem Mikroschalter mit zwei relevanten Kontakten. Drückst du den Knopf, schließt der Schalter den Kontakt und verbindet die Signalader mit der Masse. Der Encoder merkt: „Eingang 3 ist jetzt auf GND“, und meldet einen Tastendruck.
Der Name „Zero Delay“ ist Marketing für die günstigen China-Boards, die es im Set mit Kabelbaum für einen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Eurobetrag gibt. Sie funktionieren erstaunlich gut. Wer minimale Latenz und robuste Technik will, greift stattdessen zu einem Ultimarc I-PAC oder J-PAC, der deutlich mehr kostet, dafür aber sauber dokumentiert ist. Für dein erstes Cabinet reicht das Zero-Delay-Board vollkommen.
Buttons und Joystick vorbereiten
Bevor Strom fließt, brauchst du die richtigen Teile. Bei den Tastern führt kaum ein Weg an Sanwa OBSF-30 oder Seimitsu PS-14 vorbei, beim Stick ist der Sanwa JLF der Klassiker. Diese Marken haben serienmäßig einen Mikroschalter mit flachen 2,8-mm-Steckzungen (0.110 Zoll), auf die Flachsteckhülsen einfach aufgeschoben werden.
Der übliche Zero-Delay-Bausatz bringt genau dafür zwei Sachen mit:
- Ein Kabelbaum pro Button: zwei verdrillte Adern mit Flachsteckhülsen auf der einen und einem Steckverbinder für die Platine auf der anderen Seite
- Ein 5-poliges Flachbandkabel für den Joystick, das auf den vier Mikroschaltern und der Masse steckt
Prüf trotzdem, ob die Hülsen fest sitzen. Bei billigen Kabelbäumen sind sie oft schlecht gecrimpt. Zieh an jeder Ader vorsichtig, und crimp lockere Hülsen mit einer Flachsteckhülsen-Zange nach. Ein wackliger Kontakt ist die häufigste Ursache für Buttons, die nur manchmal auslösen.
Masse als Daisy-Chain verkabeln
Hier liegt der Kern der ganzen Sache. Alle Taster teilen sich eine gemeinsame Masse. Statt von jedem Button eine eigene GND-Ader zurück zum Encoder zu ziehen, hängst du sie in Reihe: von Taster zu Taster, wie eine Lichterkette. Das nennt sich Daisy-Chain.
Praktisch geht das mit Doppel-Flachsteckhülsen (eine schwarze Ader kommt an, eine geht weiter zum nächsten Button) oder mit einem fertigen Sanwa-Daisy-Chain-Kabel, das genau dafür verkauft wird. Der letzte Taster in der Kette führt mit einer einzigen Ader zum GND-Pin des Encoders. Vergiss den Joystick nicht, seine Masse hängt an derselben Kette.
Der Vorteil ist weniger Kabelsalat. Der Nachteil, den du kennen musst: Reißt die Kette an einer Stelle, sind alle Taster ab dieser Unterbrechung tot. Genau deshalb lohnt sich sauberes Arbeiten, und deshalb testest du später jeden Knopf einzeln.
Ein Sicherheitshinweis, der oft untergeht: Diese Verkabelung läuft mit 5 Volt über USB, da kann dir nichts passieren. Sobald aber dein Automat mit dem 230-Volt-Netzteil und der Steckdosenleiste im Gehäuse steht, gilt Netzspannung. Verlege die Niederspannungs-Steuerleitungen mit Abstand zu spannungsführenden Kabeln, und arbeite an der Stromversorgung nur bei gezogenem Stecker.
Signaladern richtig zuordnen
Nachdem die Masse steht, bekommt jeder Taster seine eigene Signalader. Das ist der zweite Kontakt am Mikroschalter, der freie neben der Daisy-Chain-Hülse. Jede dieser Adern geht auf einen eigenen Eingang der Platine.
Der Joystick ist unkritisch: Das 5-polige Kabel steckt auf Up, Down, Left, Right und GND, meist ist die Reihenfolge auf der Platine oder im Beipackzettel aufgedruckt. Die Buttons ordnest du frei zu, denn welcher physische Knopf welche Nummer im Spiel wird, legst du später in der Software fest. Halt dich trotzdem an eine feste Belegung, damit du beim Konfigurieren nicht rätselst.
| Physischer Button | Encoder-Eingang | Typische Funktion |
|---|---|---|
| Oben links | K1 | Button 1 (Schlag/Sprung) |
| Oben Mitte | K2 | Button 2 |
| Oben rechts | K3 | Button 3 |
| Unten links | K4 | Button 4 |
| Unten Mitte | K5 | Button 5 |
| Unten rechts | K6 | Button 6 |
| Seite | START | Start Player 1 |
| Seite | SELECT / COIN | Coin / Credit |
Notier dir diese Tabelle. Beim Einrichten des MAME-Frontends mappst du genau diese Eingänge auf die Spielfunktionen. Wie das Mapping im Emulator konkret abläuft, zeigt ausführlich unsere Schwester-Site mame.app.
Encoder am Rechner testen
Steck den fertigen Encoder per USB an einen PC, bevor du irgendetwas fest ins Bartop-Gehäuse baust. Das erspart dir, später mit dem Schraubenzieher hinter der Frontplatte zu fummeln.
Unter Windows öffnest du mit der Tastenkombination Windows plus R und dem Befehl joy.cpl die Systemsteuerung „USB-Gamecontroller einrichten“. Wähl deinen Controller, klick auf Eigenschaften, und drück nacheinander jeden Button. Im Testfeld leuchtet die zugehörige Nummer auf. Beweg den Joystick, das Fadenkreuz muss sauber in alle vier Richtungen und in die Diagonalen wandern.
Wer lieber im Browser prüft, nutzt einen Online-Gamepad-Tester wie html5gamepad.com. Der zeigt live jeden Achsen- und Tastenwert. Geh die Kontrollen einmal komplett durch und hak jeden Eingang ab. Was hier funktioniert, funktioniert nachher auch im Cabinet.
Häufige Fehler wie tote Buttons beheben
Wenn etwas nicht tut, arbeite die Ursachen der Reihe nach ab, statt wild umzustecken:
- Ein einzelner toter Button: fast immer eine lockere oder verrutschte Flachsteckhülse. Fest aufschieben, notfalls nachcrimpen.
- Mehrere tote Buttons in Folge: die Daisy-Chain ist unterbrochen. Verfolg die schwarze Masseader und find die Lücke.
- Button reagiert erst bei sehr festem Druck: Hülse hat schlechten Kontakt, oder der Mikroschalter ist defekt. Schalter tauschen ist billig.
- Zwei Buttons lösen gemeinsam aus: Signaladern vertauscht oder ein Kurzschluss zwischen zwei benachbarten Kontakten.
- Encoder wird gar nicht erkannt: anderes USB-Kabel oder anderen Port probieren, viele Billig-Kabel sind reine Ladekabel ohne Datenadern.
- Joystick hakt in den Diagonalen: kein Verkabelungsfehler, sondern meist die eckige statt runde Restrictor-Gate am JLF.
Ein Multimeter im Durchgangsmodus ist bei der Fehlersuche unschlagbar. Halt eine Spitze an die Signalader, eine an die Masse, drück den Button, und du hörst den Piep genau dann, wenn der Schalter schließt. Kommt kein Ton, liegt es am Schalter oder an der Hülse, nicht am Encoder.
Mit sauberer Daisy-Chain und dieser Testroutine ist die Verkabelung kein Angstgegner mehr. Dieselbe Logik gilt übrigens für jedes Format, egal ob du sie in einen Bartop, ein Upright oder einen Cocktail-Automaten einbaust. Steht das Panel und leuchten im Test alle Nummern, ist der schwierigste Elektronikschritt geschafft.
mame-builder ist unabhängig und sammelt Erfahrungswerte aus dem DIY-Bereich. Arbeite umsichtig mit Strom und Werkzeug und prüfe Maße und Bauteile vor dem Kauf selbst.