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Vinyl-Bespannung und Side-Art aufziehen

10. Juni 2025 · 6 Min. Lesezeit

Vinyl-Bespannung und Side-Art aufziehen KI-generiert

Kurz gefasst

Side-Art aus Vinyl deckt kleine Bauschwächen zu und geht mit der Nassmethode blasenfrei auch über große Flächen.

Inhalt
  1. Vinyl gegen Lack gegen Folie
  2. Artwork vorbereiten mit richtiger DPI
  3. Wo in Deutschland drucken lassen
  4. Nass oder trocken verkleben
  5. Blasen und Kanten sauber ziehen
  6. Um Rundungen und T-Molding arbeiten

Der Kasten steht, die Kanten sind bündig, und trotzdem sieht das Ding aus wie ein Möbelstück aus dem Baumarkt. Das ändert sich in dem Moment, in dem die erste Bahn Vinyl auf der Seitenwand klebt. Side-Art ist der Schritt, der aus 18 Millimeter MDF einen Arcade-Automaten macht, und gleichzeitig der, bei dem sich Anfänger die meiste Arbeit versauen. Einen Arcade-Automaten mit Vinyl zu bekleben klingt simpel, doch Blasen, schiefe Motive und aufstehende Kanten lauern überall. Alles vermeidbar, wenn du weißt, worauf es beim Drucken und beim Verkleben ankommt.

Vinyl gegen Lack gegen Folie

Für die Optik hast du grob drei Wege. Lackieren ist am billigsten, wenn du sowieso Kompressor und Pistole hast, verzeiht aber keine Staubkörner und liefert dir kein Motiv, sondern nur eine Fläche. Einfarbige Möbelfolie (die typische d-c-fix-Ware aus dem Baumarkt) ist günstig und leicht zu ziehen, sieht aus der Nähe aber nach Folie aus und hält an Kanten schlecht. Der Weg, mit dem echte Automaten arbeiten, ist bedrucktes selbstklebendes Vinyl aus dem Digitaldruck, oben mit einem Laminat versiegelt. Damit bekommst du dein komplettes Side-Art in einem Stück auf die Wand, kratzfest und mit sattem Druck.

Beim Vinyl selbst gibt es zwei Klassen. Monomer kalandrierte Folie ist günstig und reicht für glatte, gerade Flächen. Für Rundungen, etwa die geschwungene Oberkante eines Bartops, brauchst du polymere oder gegossene (Cast) Folie, die sich unter Wärme dehnt und sich nicht wieder zusammenzieht. Bekannte bedruckbare Materialien sind zum Beispiel Oracal 3651 (kalandriert, für gerade Flächen) und Cast-Folien von Orafol oder 3M, etwa 3M IJ180 für Rundungen. Oracal 651 dagegen ist eine einfarbige Schneidefolie zum Plotten und nicht fürs Bedrucken gedacht, verwechsle die beiden bei der Bestellung nicht. Rechne für Druck plus Laminat grob mit einem mittleren zweistelligen Betrag pro Quadratmeter, ein komplettes Cabinet bleibt damit im überschaubaren Rahmen, verglichen mit dem Materialwert des Holzes.

Artwork vorbereiten mit richtiger DPI

Bevor du irgendetwas druckst, misst du das Seitenteil auf den Millimeter aus und legst dein Motiv in genau dieser Größe an. Baue rundum drei bis fünf Millimeter Beschnitt (Bleed) dazu, damit an der Kante nichts Weißes blitzt, und plane die Ecken großzügig, wenn du um die Kante herum kleben willst.

Zum Dateiformat: Vektor schlägt Pixel. Wenn dein Artwork aus Formen, Linien und Text besteht, lieferst du eine PDF, EPS oder AI ab, dann ist die Auflösung egal und alles bleibt gestochen scharf. Hast du ein Pixelbild (ein Foto oder ein gescanntes Retro-Motiv), brauchst du echte Auflösung. Für Großformat, das man aus einem halben Meter Abstand ansieht, reichen 100 bis 150 dpi bei der finalen Druckgröße. Ein 1000-Pixel-JPG auf 40 Zentimeter hochgerechnet wird matschig, das kaschiert auch kein Laminat. Faustregel: Breite in Zentimetern mal 59 ergibt die nötige Pixelzahl für 150 dpi.

Farbe legst du am besten in CMYK an und fragst die Druckerei nach ihrem ICC-Profil, sonst wird das kräftige Rot deines Logos auf einmal blass. Löcher für Buttons und Joystick lässt du im Druck weg und schneidest sie später von Hand aus, das ist genauer als jede Vorstanzung.

Wo in Deutschland drucken lassen

Die unauffälligste, aber oft beste Adresse ist der Werbetechnik-Betrieb um die Ecke, der Autos beklebt. Fahrzeugbeschrifter drucken täglich selbstklebendes Vinyl, laminieren es und wissen, wie sich das Material verhält. Bring deine Datei mit und sag klar, was du brauchst, dann bekommst du oft in wenigen Tagen ein sauberes Ergebnis.

Online-Großformatdrucker sind die Alternative, wenn du niemanden vor Ort findest. Achte darauf, dass sie wirklich selbstklebende Folie mit Laminat anbieten und nicht nur Papierposter oder simple Aufkleber ohne Schutzschicht. Frag nach der maximalen Bahnbreite, damit dein Seitenteil in ein Stück passt und du keine Naht mitten im Motiv hast.

Das solltest du bei der Bestellung angeben:

  • Selbstklebende Vinylfolie, für Rundungen Cast, sonst polymer kalandriert
  • Laminat oben drauf, matt wirkt hochwertiger und spiegelt weniger, glänzend knalliger
  • Exakte Maße in Millimetern plus drei bis fünf Millimeter Beschnitt
  • Grauabstufungen und Volltöne vorher abstimmen (Testdruck oder Proof)
  • Ob du die Folie mit Übermaß für den Kantenumschlag brauchst

Das Marquee (das beleuchtete Schild oben am Automaten) ist ein Sonderfall. Das wird auf durchscheinendes Material gedruckt, damit die LEDs dahinter gleichmäßig durchleuchten. Wie du das Schild hinterleuchtest, steht in der Anleitung zum Marquee mit LED beleuchten.

Nass oder trocken verkleben

Trocken verkleben geht schnell, verzeiht aber nichts: einmal aufgesetzt, sitzt die Folie. Das ist etwas für kleine Teile und geübte Hände. Für große, gerade Seitenteile nimmst du die Nassmethode, weil du die Bahn damit noch verschieben und ausrichten kannst, bevor der Kleber greift.

So läuft die Nassverklebung ab: Misch in einer Sprühflasche Wasser mit einem winzigen Spritzer Spülmittel, ein Tropfen auf einen halben Liter reicht. Sprüh die Cabinet-Fläche satt ein, zieh die Trägerfolie ab und leg das Vinyl auf. Auf dem Wasserfilm schwimmt die Folie, du richtest sie millimetergenau aus. Dann drückst du mit dem Rakel von der Mitte nach außen das Wasser heraus. Wichtig: nach dem Nassverkleben mindestens einen halben bis ganzen Tag durchtrocknen lassen, bevor du Löcher schneidest oder das Teil belastest, sonst wandert die Folie noch.

Laminiertes Vinyl steckt die Nassmethode gut weg. Sehr dünne, unlaminierte Folie kann sich mit Wasser wellen, im Zweifel machst du an einem Reststück einen kurzen Test, bevor du die große Bahn ansetzt.

Blasen und Kanten sauber ziehen

Das Werkzeug entscheidet über das Ergebnis. Nimm einen Rakel mit Filzkante oder kleb Malerkrepp über die Kante eines harten Rakels, damit du das Laminat nicht verkratzt. Arbeite immer von der Mitte in überlappenden Bahnen nach außen, so schiebst du Luft und Wasser vor dir her, statt sie einzuschließen.

Bleibt eine kleine Blase, stich sie mit einer feinen Nadel am Rand an und streich die Luft heraus, das Loch einer Stecknadel sieht später niemand. Größere Falten ziehst du besser komplett ab und legst die Bahn neu auf, bei nasser Verklebung geht das problemlos.

Kanten schneidest du erst, wenn die Folie richtig sitzt. Ein frisches Abbrechmesser (Cutter) ist Pflicht, eine stumpfe Klinge reißt die Folie, statt sie zu schneiden. Führe die Klinge flach an der Cabinet-Kante entlang und immer von dir weg, damit du nicht abrutschst und in die Hand fährst. An den Aussparungen für die Buttons schneidest du ein kleines Kreuz in die Öffnung, klappst die Zipfel nach innen und drückst sie fest oder schneidest sie bündig ab. Wo du die Folie um eine Kante herum ziehst, hilft ein Heißluftföhn, den du kurz ansetzt, damit sich das Vinyl weich um die Ecke legt.

Um Rundungen und T-Molding arbeiten

Runde Ecken sind der Punkt, an dem billige Folie kapituliert. Cast-Vinyl lässt sich mit Wärme dehnen und legt sich um Radien, kalandrierte Folie zieht sich dagegen mit der Zeit wieder zurück und steht dann ab. Wärm die Rundung mit dem Föhn leicht an, das Material soll warm und geschmeidig werden und nicht kochen, zieh es gleichmäßig über den Radius und drück es mit dem Daumen oder einem weichen Rakel fest. Halt den Föhn dabei in Bewegung, denn zu viel Hitze an einer Stelle bläht das Laminat auf oder verzieht das Motiv. Der Heißluftföhn wird schnell mehrere hundert Grad heiß, halt ihn von Haut und Kabeln fern und arbeite in einem gut belüfteten Raum.

Die T-Molding-Nut arbeitet dabei für dich. Bespanne immer zuerst, dann kommt das T-Molding hinein. Du ziehst die Folie bis an die Fräsnut oder ein kleines Stück in die Nut hinein und lässt den rohen Rand einfach dort enden, das eingedrückte T-Molding verdeckt ihn später sauber. So musst du an der Kante nicht auf den Millimeter genau schneiden. Wie das Molding in die Nut kommt, steht in der Anleitung zum T-Molding anbringen.

Eine Reihenfolge-Frage noch: Bespann das Cabinet, bevor du Monitorblende, Plexiglas und Technik final einbaust. An der leeren, offenen Wand kommst du überall mit dem Rakel hin, mit eingebautem Monitor wird jede Kante zur Fummelei. Wie der Monitor danach sauber ins Gehäuse kommt, zeigt die Anleitung zum Monitor einbauen.

Wenn die Optik steht, fehlt nur noch das Leben im Automaten. Emulator, Frontend und die Steuerung richtest du auf unserer Schwester-Seite mame.app ein, dort ist das komplette Software-Setup ausführlich beschrieben.

Vinyl-BespannungSide ArtArcade CabinetNassverklebungArtwork

mame-builder ist unabhängig und sammelt Erfahrungswerte aus dem DIY-Bereich. Arbeite umsichtig mit Strom und Werkzeug und prüfe Maße und Bauteile vor dem Kauf selbst.


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